Beten mit dem neuen Gotteslob

Vielleicht überraschend junge und schöne Gebete finden sich in unserem neuen Gotteslob. Gebete? Ja, denn das Gotteslob will nicht nur ein Gesangbuch für den Gottesdienst sein, sondern ein Gebetsbuch, auch für dich (zu Hause). Auf den nächsten Seiten geht es auf eine kleine Schatzsuche.

Gebete für jede Situation

Die ersten Gebetsschätze finden sich im neuen Gotteslob gleich auf den ersten Seiten:
Im Kapitel „Im Gebet antworten“ (GL2-22) findest du für quasi jede Situation im Leben Gebetsvorschläge. Sie sind verfasst von Theologen aus vergangenen Zeiten ebenso wie von Familien, die in deiner Nachbarschaft wohnen könnten. Einige dieser Schätze möchte ich hier hervorheben und dir damit Mut machen, selber mal im neuen Gotteslob zu blättern:

Einfach da sein vor Gott, sich seiner Gegenwart bewusst werden, einen Moment der Ruhe wahrnehmen und Gott dafür danken, das geht hervorragend mit GL 6,3

Du, Herr, gibst mir immer wieder
Augenblicke der Stille,
eine Atempause,
in der ich zu mir komme.
Du stellst mir Bilder vor die Seele,
die mich sammeln
und mir Gelassenheit geben:
Oft lässt du mir mühelos
Irgendetwas gelingen,
und es überrascht mich selbst,
wie zuversichtlich ich sein kann.
Ich merke,
wenn man sich dir anvertraut,
bleibt das Herz ruhig.
aus Japan

Sicherlich hast auch du einen Namenspatron. Wenn nicht, dann erkundige dich mal bei deinen Eltern, sie können dir dabei weiterhelfen. Wie du zu diesem Namenspatron beten kannst, dabei hilft GL 10,5:

Heilige(r) N., wir tragen den gleichen Namen, deshalb fühle ich mich mit dir verbunden.
Bitte für mich bei Gott um die Kraft des Glaubens, die Größe der Hoffnung und die Fülle seiner Liebe.
Dein Vorbild ermutigt mich, mein Leben täglich neu im Licht des Evangeliums anzuschauen und meinen Alltag aus der Verbundenheit
mit Jesus Christus zu gestalten.

Es gibt Situationen im Leben, in denen scheint alles düster und sinnlos zu sein.
In solchen Situationen kann man Gott nicht mehr danken, vielleicht nicht einmal mehr um etwas bitten.
Deshalb muss aber nicht das Gespräch mit Gott abbrechen. Unsere Gebetstradition kennt hierfür die Klage zu Gott – eine wenig bekannte Gebetsform. Mit GL 8,9 kannst du ein solches Klagegebet beten:

Gott, was um mich her – mit mir – geschieht, ich sehe keinen Sinn darin.
Warum muss ich gerade hier an diesem Platz im Leben sein?
Gedanken bewegen sich im Nebel. Meine Blicke tasten. Ich seh nicht bis zu dir.

Mein Herz!
Mit Bitternis ist es gefüllt.
Worte, meine Gebete, so ist es mir, prallen ab von deinem Thron – fallen ins Leere.
Mein Hoffen ist verloren!
Ich gehe verloren!
Gott, wie hältst du das aus?
Meine Wirklichkeit deckst du mit Schweigen zu.

In meiner Seele ist tiefes Erschrecken. 
Sie schreit – kämpft – lauscht – Dem Morgen entgegen.
Wo bist du?
Irmgard Powierski (*1931)

Den Tag mit einem Segensgebet beginnen kannst
du mit GL 11,3:

Segne mich,
guter Gott,
und alles, was ich heute in die Hand nehme.
Segne meine Arbeit,
damit sie gelingt und auch anderen zum Segen wird.

Segne meine Gedanken,
damit ich heute gut über die Menschen denke.
Segne meine Worte,
damit sie in ihnen Leben wecken.
Segne mein Leben,
damit ich immer mehr das einmalige Bild verwirkliche,
das du dir von mir gemacht hast.

Segne alle Menschen, die ich in meinem Herzen trage,
du, der gütige und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Anselm Grün (*1945)

von Christina Reich aus [a'ha:] 02/2015

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