Gespräch von Zwillingen im Mutterleib

Gedanken über das Leben

Gibt es ein Leben nach der Geburt? Gibt es ein Leben nach dem Tod?
Zumindest die Frage nach dem Tod stellen wir uns als Christen immer wieder – besonders in der Osterzeit.
In der Stille und im Gebet können wir Gottes Werk, seine Nähe und seine Existenz erfahren.
Wir spüren, dass Gott uns beschützt und wir in seiner Geborgenheit wachsen und gedeihen können.
Gott lässt uns darauf hoffen, dass unser Tod nicht das Ende sein wird, sondern der Anfang von etwas Neuem.            

„Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt? fragt der eine Zwilling.

Aber sicher! Hier drinnen wachsen wir und werden stark für das, was draußen kommen wird.

Ich glaube, das bildest du dir nur ein, meint der erste. Es kann kein Leben nach der Geburt geben.
Wie sollte das denn bitteschön aussehen?!

Na, so genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller sein als hier.
Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?

Also so einen Unsinn habe ich ja noch nie gehört. Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee.
Wir haben doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist doch die Nabelschnur viel zu kurz.

Doch, es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders.

Du spinnst doch. Es ist noch nie einer zurückgekommen von „nach der Geburt“. Mit der Geburt ist das Leben aus und zu Ende. Punkt.

Hm, sagt der andere wieder: Ich stimme dir ja zu, dass keiner weiß, wie das Leben nach der Geburt aussehen wird.
Aber eins weiß ich: Wir werden dann unsere Mutter sehen und sie wird für uns sorgen.

Mutter? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo ist sie denn bitteschön?

Na hier – überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein.

Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht.

Doch! Manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie hören. Oder spüren, wie sie unsere Welt streichelt... .

                                                                                                                                                     nach Henri J. M. Nouwen 

von von Huu Tuan Nguyen aus [a'ha:] 01/2015

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